Seit jeher gilt das Pferd als das wertvollste aller Haustiere und die Gesundheit der Hufe ist die Grundlage seines Wohlbefindens.




Der Hufschmied

Ein fühlendes Herz für die Geschöpfe, die seiner kunstgeübten Hand gegen die Fairnisse ihres Lebens anvertraut werden.
(Zitat aus "Der Hufschmied" von Eddy Becker)




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Hornspalten

© Dirk Ludwig

Pferd: William, Wallach 6 Jahre
Rasse: Araber-Schimmel
Befund: Massive Hornspalten
Weitere Daten sind bekannt, werden jedoch aus Datenschutzgründen nicht veröffentlicht.

Zusammenfassung


Abbildung 1: William


Vorgestellt wird hier der Fall eines Pferdes, daß auf Grund massiver Vernachlässigung der Hufpflege durch den Vorbesitzer, sowie fehlerhafter Hufzubereitung durch einen vom Vorbesitzer beauftragten Hufpfleger nicht mehr als Schulpferd einsetzbar war. Die jetzige Besitzerin kaufte das Pferd dem Vorbesitzer ab, war aber weder bereit noch in der Lage, die nun notwendigen Maßnahmen (Tierarzt und Hufschmied) zu finanzieren. Inwieweit diese Informationen tatsächlich auch so zutreffen kann nicht abschließend beurteilt werden, es steht lediglich fest, daß das Pferd unter der massiven Vernachlässigung der Hufpflege litt und seinen Dienst nicht mehr versehen konnte.

Das Pferd

Das Pferd ist ein 6 jähriger Araberschimmel Wallach mit Namen William. Es war abgesehen von den Hufen in einem recht guten Pflegezustand und ohne sonstige erkennbare Veränderungen. Der Fütterungszustand war gut, Unter- oder Überfütterung war nicht festzustellen. Die Gliedmaßen standen von vorne und hinten gesehen regelmäßig Bodenweit und Zehenweit, von der Seite gesehen waren alle Hufe zu spitz und insgesamt für die Größe und Schwere des Pferdes zu groß, was jedoch der mangelnden Hufpflege zuzuschreiben war. Man spricht in diesem Falle auch von weiten Hufen. Das Tier war den Umgang mit dem Menschen gewöhnt und ließ alle Untersuchungen, sowie die anschließenden Maßnahmen des Hufschmiedes willig geschehen. Wie das Pferd bei seinem vorigen Besitzer untergebracht war ließ sich nicht mehr exakt nachvollziehen, bekannt ist lediglich, daß es wohl als Schulpferd seinen Dienst tat. Bei seiner neuen Besitzerin stand das Pferd tagsüber auf einer Sandkoppel und über Nacht in einem Stall. Es wurde auch bei der neuen Besitzerin als Reitpferd genutzt, jedoch nicht im Turniersport.

Befund

Massive Hornspalten, zum Teil durchgehend, aber nicht blutig, an allen vier Hufen in Verbindung mit hohlen und losen Wänden auf Grund massiver Vernachlässigung der Hufpflege. Eine Lahmheit war beim Vorführen nicht zu erkennen und auf die Untersuchung mit der Hufuntersuchungszange reagierte das Tier auf allen vier Hufen nicht, so daß mögliche Entzündungen zunächst einmal ausgeschlossen werden konnten. Verletzungen oder chronische Erkrankungen anderer Regionen als deren Ergebnis auch Hornspalten auftreten können, z. B. Kronentritte, Arthrosen, Verknöcherungen oder andere Hufkrankheiten waren ebenfalls nicht festzustellen. Die Lage der Hornspalten, als Tragrandhornspalten, ließen daher den Schluß zu, daß es sich hier ausschließlich um ein Problem fehlerhafter oder ungenügender Hufzubereitung handelte. Zudem waren typische, von Hornspalten verursachte krankhafte Veränderungen, zum Beispiel Hornsäulen dem Augenschein nach ebenfalls nicht festzustellen. Wir konnten somit dem Wunsch der Besitzerin entsprechen und auf der Vorstellung des Tieres bei einem Tierarzt verzichten, jedoch mit dem ausdrücklichen Hinweis, daß die Hinzuziehung eines Tierarztes, sollten sich Komplikationen einstellen unvermeidlich würde. Bei den auf den Fotos gut zu erkennenden umlaufenden Ringen handelt es sich entweder um sogenannte Reheringe oder Futterringe. Für Reheringe sprach zunächst die auf Abb. 4 gut zu erkennende, für eine Rehe typische Verbreiterung der Nagellinie, welche durch eine Zusammenhangstrennung der Lederhautzöttchen mit der Blättchenhorschicht zustande kommt. Diese Vermutung bestätigte sich nach der fachgerechten Korrektur jedoch nicht mehr, weil der, ebenfalls für eine Hufrehe typische und bei fehlerhafter oder gänzlich vernachlässigter Hufpflege auftretende sogenannte Knollhuf nicht zu erkennen war. Wir konnten uns abschließend nicht auf einen Befund der Ringe einigen, da weitere Erklärungen möglich sind. Für Fütterungsringe sprach vor allem der fehlende Knollhuf. Dieses Problem war jedoch das weitaus geringere, da hier kein akut krankhafter Zustand vorlag. Als Hornspalten werden Zusammenhangstrennungen der Hornwand in Längsrichtung der Hornröchen bezeichnet. Sie treten an allen Hufen auf und sind zumeist ein Ergebnis ungenügender Hufpflege, eines fehlerhaften Hufbeschlages oder gänzlicher Vernachlässigung der Hufpflege. Die Intensität der Hornspalten reicht von Windrissen, bei denen die Glasurschicht betroffen ist, bis zu durchdringenden, blutigen Hornspalten, bei denen alle Hornschichten bis auf die Lederhäute betroffen sind. Wie bei dem hier vorgestellten Fall treten sie bisweilen als Folge weiter Hufe, in Verbindung mit Zusammenhangstrennungen der Hornwand mit der Hornsohle im Bereich der weißen Linie, als lose Wand und/oder in Verbindung mit Zusammenhangstrennungen des Blättchenhorns und des Rörchenhorns als hohle Wand in Erscheinung. In einigen Fällen können bei tiefer gehenden, durchdringenden Hornspalten akute bis chronische Entzündungen der Lederhäute auftreten. Das Tier zeigt dann den typischen Druckschmerz und Pulsation an der Mittelfußarterie.


Abbildung 2: Vorne links im Juni 2006

Abbildung 3: Vorne rechts im Juni 2006


Abbildung 4: Vorne links im aufgehobenen
Zustand im Juni 2006

Abbildung 5: Hinten rechts im Juni 2006

Behandlung

Eine Behandlung mußte in jedem Falle mit einer fachgerechten Hufzubereitung beginnen, wobei eine Heilung im Sinne eines Zusammenwachsens getrennter Hornabschnitte nicht möglich ist. Vielmehr muß zusammenhängendes Horn von oben nach unten wachsen und die neue Hornkapsel bilden. Da das Pferd in unserem Falle keine Schmerzen hatte, konnte die Entscheidung getroffen werden, zunächst mit der Hufzubereitung ohne einen Hufschutz aus Hufeisen oder Hufschuhen zu beginnen. Ebenfalls nicht in Betracht gezogen wurde eine Stabilisierung der Betroffenen Hornabschnitte durch Agraffen, das sind Verschlüsse, bei denen die getrennten Hornabschnitte durch einen Splint verbunden werden und aufgeklebte oder aufgeschraubte Hornpflaster aus Plastik oder Blech, weil sie, neuesten Untersuchen zufolge, keine "Ruhe" in die belasteten Hornabschnitte bringen. Ob ein konventioneller Beschlag mit Hufeisen oder das Kleben von Hufschuhen vorgenommen wird hängt ganz wesentlich von der Einschätzung des behandelnden Tierarztes und des von ihm hinzugezogenen Hufbeschlagschmiedes ab. In unserem Falle war weder das eine noch das andere möglich, weil der Besitzerin der Kostenaufwand zu hoch war. Für einen Beschlag mit Hufeisen war die Hornkapsel auf Grund hohler und loser Wandabschnitte zu instabil, weil der feste Sitz der Hufnägel sowie die fachgerechte Vernietung nur an wenigen Stellen möglich war. Zu wenig für einen traditionellen Beschlag urteilte der zuständige Hufschmied. Die wenigen noch intakten Wandabschnitte wären zudem bei einem Abtreten der Eisen ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen worden, so daß die Entscheidung gegen ein Hufschutz aus Eisen auch aus diesem Grunde richtig war. Aus diesen Tatsachen ergab sich eine weitere Schwierigkeit bei der Hufzubereitung. Die belasteten Wandabschnitte sind bei Hornspalten mit einer sogenannten Schwebe aus der Belastung zu nehmen, um zu verhindern, daß das von der Hufkrone herunter wachsende Horn von den auftretenden Kräften erneut getrennt wird, gleichzeitig mußte das Pferd aber weiter Barhuf gehen. Bei Barhuf gehenden Pferden wird der Tragrand etwas länger gelassen als bei Pferden, deren Hufe mit einem Hufschutz versehen sind. Wir mußten daher soviel Horn stehen lassen, daß das Pferd weiter Barhuf gehen konnte und gleichzeitig soviel Horn kürzen, daß die Belastungsverhältnisse wieder einem regelmäßigen Huf nahe kommen und sich die Hornspalten nicht weiter fortsetzen konnten. Wir sind in der ersten Phase der Behandlung in unregelmäßigen Abständen, etwa alle 14 Tage bis drei Wochen bei dem Pferd gewesen um mit der Hufraspel nachgewachsene Hornabschnitte zu beraspeln und dadurch, soweit das möglich war, korrekte Belastungsverhältnisse zu gewährleisten. Nach ca. einem halben Jahr stellten wir den Rhythmus auf einen normalen achtwöchigen Turnus um. Zusätzlich wurde die Arbeit des Schmiedeteams durch ein Ergänzungsfuttermittel der Firma Maxantis unterstützt. Wie viel tatsächlich der Ernährung zuzuschreiben ist bleibt jedoch fraglich, nicht nur, weil die Belastungsverhältnisse der Hornkapsel einen ganz wesentlichen Punkt bei dieser Art Hufprobleme bilden.



Abbildung 6 und 7: Die Hufe des Pferdes am 19.02 und am 20.06. 2007

Schlußbetrachtung

Bei diesem Fall zeigten sich die speziellen Schwierigkeiten, die den Hufschmied bei seiner Arbeit erwarten. Zum einen gibt es immer wieder Pferdebesitzer deren Verantwortungsgefühl spätestens dann aufhört, wenn das in ihrer Verantwortung stehende Tier ein Kostenfaktor wird. Zum anderen sogenannte "Experten der Hufpflege" deren Ausbildung augenscheinlich ungenügend und viel zu kurz war und die "ihre neue innovative Kunst der Hufzubereitung" als ideologischen Kampfbegriff gegen jede andere, gar traditionelle Methode verstehen. Sehr wahrscheinlich um damit ihre eigene Unzulänglichkeit zu verbergen und dennoch Märkte zu erobern. In jedem Falle ist das betroffene Tier der Verlierer dieser Entwicklung und das gilt es für die Zukunft zu verhindern.
  www.hufschmied-ludwig.de Dirk Ludwig • Hauptstraße 26 • 16356 Werneuchen OT Schnfeld  
 
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